Sonntag, 14. Februar 2021

Ins Innere der kretischen Berge

65% des Gesteins in Griechenland ist Kalkstein und die zahlreichen Karstgebiete sind ein Paradies für Höhlenforscher. Dass im Gebiet des Sitia Geoparks über 300 Höhlen dokumentiert sind und die Höhlenforschung auch entsprechend gefördert und unterstützt wird (es gibt sogar ein speläologisches Zentrum in Karydi) waren auch Gründe dafür, dass ich unbedingt nach Sitia wollte.

Umso enttäuschter war ich, als meine geplante Tour im November aufgrund des Lockdowns nicht stattfinden konnte und sich die Situation nicht wirklich besserte. An diesem Wochenende war es dann aber endlich soweit: mit zwei Höhlenforschern aus der Gegend und dem Leiter unseres Geoparks ist eine Tour geplant.

Die Exo Latsidi Höhle befindet sich auf der Hochebene und der Temperaturunterschied zu Sitia auf Meeresebene ist deutlich spürbar. Schnell in die kuschelig-warme Höhle!

"Latsidi" bedeutet übrigens "Loch" im ostkretischen Dialekt, da waren die Entdecker nicht besonders kreativ... Über eine Stufe klettern wir hinunter. Decke und Seiten bestehen aus Kalkstein, der Boden allerdings aus dem wasserresistenteren Phyllit-Quarzit. Zwischen diese beiden Gesteinsschichten hat sich das Wasser gegraben und eine aktive Flusshöhle zurückgelassen. Abgesehen von einigen niedrigen Passagen ist die Höhle groß genug, um aufrecht gehen zu können und es gibt mehrere größere Räume mit schönen Tropfsteinformationen: Sintervorhänge, Stalaktiten und Makkaroni.

Insgesamt ist die Höhle 1km lang und endet in einem 80m langen Schluf, der mit Lehm gefüllt ist. Die Chancen stehen aber nicht schlecht, dass es Verbindungen zu nahegelegenen Höhlensystemen gibt. Besonders interessant finde ich einen Stalagmit, an dem scheinbar Schriftzeichen zu sehen sind: ein Κ, ein Λ oder Α und ein markantes Ψ. Sie sind übersintert, was für ihr Alter spricht. Es ist nicht ausgeschlossen, dass sie aus dem Minoischen Zeitalter stammen, welche ihre Blütezeit zwischen 2500 und 1400 v.Chr. erlebte.

Ich bin sehr glücklich darüber, mein Höhlenzeug nicht umsonst mitgenommen zu haben und habe die Tour wirklich genossen - hoffentlich geht es bald wieder ins Innere der Berge! Für Hanna war es die erste Höhlentour, aber sie hat sich super geschlagen und hatte Spaß - mein unübliches Hobby versteht sie jetzt noch ein bisschen besser. 😊


Hanna beim Hinabklettern in die Höhle

Ein Stalagmit mit minoischen (?) Zeichen

Ausgetrocknete Sinterbecken in der Flusshöhle


Endlich wieder Höhlenforschen!

Schöne Makkaroni gibt es auch

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