Kleiner Food-Blog

Wohl einer der wichtigsten Aspekte einer Kultur ist ohne Frage das Essen. Vorweggenommen: neben „klassischen“ griechischen Gerichten, die man auch in Deutschland bekommt, gibt es viele ursprünglich türkische Spezialitäten, die von den osmanischen Besetzern mitgebracht und so in den Speiseplan integriert wurden (dasselbe gilt für einige italienische Gerichte, die sich während der venezianischen Herrschaft etablierten). Dazu kommen noch besondere kretische Gerichte (z.B. Dakos) und einige, die es nur in Sitia gibt (z.B. Xygalo).

Der kretische Speiseplan ist also so abwechslungsreich wie die Landschaft der Insel. Tatsächlich wird weniger Fisch gegessen als ich dachte, denn aufgrund der vielen Überfälle der Küstengebiete zogen sich die Menschen in die Bergregionen zurück und lebten vor allem von der Landwirtschaft. Viele wissenschaftliche Studien haben gezeigt, dass die kretische Ernährung das Risiko für verschiedene Krankheiten minimiert und auch sonst positiv zur Gesundheit beiträgt. Das hat mehrere Gründe, ein paar Ansätze habe ich mal aufgelistet:

  • Die Zutaten sind zumindest hier in Sitia sehr lokal und saisonal und die Rezepte eher einfach (d.h. die Zutaten werden wenig verarbeitet). Man geht selbstverständlich auf dem Markt einkaufen und orientiert sich an den Pflanzen, nicht am eigenen Appetit. Ihr werdet sehen, dass es einige sehr speziell kretische oder sitianische Gerichte gibt, da sich die Esskultur eher regional orientiert.
  • Die Schaf- und Ziegenzucht hat eine sehr lange Tradition und hochqualitative Milchprodukte finden sich in fast jedem Essen. Trotzdem wird relativ wenig Fleisch (und auch wenig Fisch) konsumiert und wenn, dann mit vielen Beilagen. Den Viehzüchtern zufolge sind die tierischen Produkte deshalb so besonders, weil sich die Schafe und Ziegen von den frischen, schmackhaften Kräutern und aromatischen Pflanzen in den Bergen ernähren. So viel Feinschmecker steckt dann aber doch nicht in mir…
  • In den wilden Bergen Kretas wachsen aufgrund der idealen klimatischen Bedingungen allerlei Kräuter und Gemüsesorten, die ein fester Teil der Ernährung bilden.
  • Olivenöl. Dazu später mehr.
  • Die Esskultur. Wenn man hier mit seiner paréa essen geht, werden Dutzende Platten bestellt und jeder nimmt etwas davon. Das Essen zieht sich über mehrere Stunden und ist mehr als nur eine Mahlzeit, es geht um Gesellschaft und Familie, um Gastfreundschaft und Wertschätzung.

Hanna und ich haben uns vorgenommen, so viele griechische Spezialitäten wie möglich zu probieren und so weit sind wir ganz gut vorangekommen. Trotzdem gibt es natürlich noch so viel zu entdecken, dass wir unseren kleinen Foodblog regelmäßig updaten und ergänzen werden.

 

Trigger-Warnung: Nicht mit leerem Magen anschauen!

 

Getränke:

 

Rakı (ρακή/ρακί)

Rakı, manchmal auch Tsikoudia (Τσικουδιά) genannt, ist auf Kreta wohl das mit Abstand beliebteste alkoholische Getränk. Im Gegensatz zum türkischen Rakı ist der griechische nicht mit Anis versetzt und auch weniger stark. Vor allem auf Kreta hat er „nur“ um die 40% Alkoholgehalt, damit man während des Essens immer mal wieder trinken kann – mehr als nur einen.

Hergestellt wird Rakı im Herbst aus den Überresten der Weinproduktion. Die Pressrückstände der Weintrauben werden in Kupferkesseln so lange erhitzt, bis der Destillationsprozess eintritt. Die Rakı-Produktion wird mit sogenannten Kazanas gefeiert, Festen mit Unmengen von Essen, Tanz und Musik und selbstverständlich mit frischem Rakı! Auch wir hatten das Glück, gleich bei zwei Kazanis dabei zu sein.

Da Rakı fast überall hergestellt wird, findet man in kleinen Läden oder Ständen oder auf Märkten des Öfteren Wasserflaschen, an denen man lieber erstmal riechen sollte, bevor man durstig daraus trinkt, denn optisch lässt sich das eine wirklich nicht vom anderen unterscheiden. Sogar den Profis passiert das und so wurde bei der Olivenernte in der Mittagspause griechischer Kaffee mit Raki statt Wasser zubereitet… Das war sogar dem Kreter zu viel!

 

Cappuccino / Espresso Freddo (Καπουτσίνο / Eσπρέσσο Φρέντο)

In Griechenland gibt es keine Kaffee-und-Kuchen-Zeit, die ist nämlich rund um die Uhr. Wer abends um elf noch an der Hafenpromenade entlang spaziert, sieht auf jedem zweiten Tisch einen Cappuccino Freddo, nicht nur im Sommer. Auch wir haben diese Art von Kaffee zu schätzen gelernt und unseren Kaffeekonsum im Vergleich zu früher deutlich erhöht… Die Frage lautet übrigens nicht: „Möchtet ihr einen Kaffee?“, sondern „welchen Kaffee möchtet ihr?“

Espresso Freddo ist im Grunde genommen ein doppelter Espresso, der mit Eiswürfeln in einem Shaker heruntergekühlt wird und je nach Bedarf mit Zucker gesüßt wird. Klingt simpel, ist aber lecker. Beim Cappuccino Fredo kommt noch kalte aufgeschäumte Milch dazu, aber der Schaum ist im Gegensatz zu warmen Milchschaum wie beim regulären Cappuccino deutlich fester. Am Besten schmeckt Cappuccino Freddo mit etwas Zimt verfeinert.

Freddo cappuchino :)

Griechischer Kaffee (ελληνικός καφές)

Wem Cappuccino Freddo zu kalt oder viel ist, der bestellt sich gerne mal einen Griechischen Kaffee. Da er von den Türken nach Griechenland gebracht wurde, ist das Getränk auch als Türkischer Kaffee bekannt.

Die Besonderheit dieses Kaffees ist, dass das Kaffeepulver nicht gefiltert wird, das heißt, es bleibt auch beim Servieren als Bodensatz in der Tasse – etwas ungewohnt, ich hätte die schwarze Pampe fast mitgetrunken! Traditionell wird das Getränk in einer kleinen Kanne (Briki) zweimal aufgekocht und stark gesüßt. Unser Herd hat sogar eine kleine Platte in der perfekten Briki-Größe!

Auch bei der Olivenernte wird natürlich Kaffee gekocht 



Käsespezialitäten/Milchprodukte:

 

Feta (φέτα)

Viel sagen kann man zu Feta ja nicht: super leckerer Schafs- und/oder Ziegenkäse in Salzlake eingelegt. Bei jedem gemeinsamen Abendessen steht mindestens einer auf dem Tisch und sogar beim Lidl in Sitia gibt es 1,5-Kilo-Blöcke. Der Klassiker ist natürlich Griechischer Salat mit Salat, Tomate, Gurke, Paprika, Oliven und ordentlich Feta (wobei hier eher Sitia Salat mit Xygalo statt Feta konsumiert wird). Sogar frittierten Feta mit Honig (Saganaki) hatten wir schon, klingt ungewohnt, ist aber wirklich lecker.

Genau genommen hatten wir hier aber noch gar keinen „richtigen“ Feta, denn Letzteres ist eine geschützte Bezeichnung und darf nur an Käse vergeben werden, der aus Milch von Schafen und Ziegen aus bestimmten Regionen des griechischen Festlands und auf Lesbos hergestellt wird. Das ist aber wirklich Wortklauberei, geschmacklich ändert sich da nicht viel.

Griechischer Salat mit Feta


Xygalo Siteias (Ξύγαλο Σητείας)

Wenn es eine Sache gibt, um die man in Sitia nicht herumkommt, dann ist es Xygalo. Der Streichkäse ist EU-weit geschützt und darf nur in der Region Sitia hergestellt werden. Es darf nur Milch von Ziegen und Schafen ortseigener Rassen verwendet werden, die überwiegend in Freilandhaltung gehalten und natürlich gefüttert werden. Die Tiere leben in einer Hügellandschaft auf einer Höhe von maximal 1.000m.

Die Konsistenz ist eher körnig wie Frischkäse, der Geschmack ist frisch, säuerlich und leicht salzig. Der echte Sitianer kippt noch einen halben Liter Olivenöl darüber und fertig ist das Grundnahrungsmittel.

Xygalo, eine Spezialität aus Sitia


Myzithra (μυζήθρα)

Diese Käsesorte wird vor allem auf Kreta hergestellt und schmeckt ähnlich wie Ricotta oder Mozzarella, also recht mild, und ist von weicher Konsistenz. Er wird oft zum Befüllen von süßen oder salzigen Teiggerichten genutzt, zum Beispiel von Kalitsounia, Nerati oder Chaniotiko Boureki. Tomate-Myzithra ist übrigens sehr lecker, einfach so finde ich ihn eher langweilig.

Konsistenz und Geschmack sind übrigens stark abhängig von der Reife, bis jetzt hatten wir nur sehr jungen, milden Myzithra.

Myzithra wird meistens zum Befüllen und
Kochen von anderen Gerichten verwendet.

Tzatziki (τζατζίκι)

Zu Tzatziki muss nicht viel gesagt werden; auch Hanna und ich mischen uns öfters etwas Joghurt, Knoblauch und Olivenöl zusammen (natürlich auch Gurken, wenn wir welche haben) und dippen unser Gemüse. In Sitia macht Xygalo dem guten alten Tzatziki allerdings Konkurrenz.

 

Griechischer Joghurt (ελληνικό γιαούρτι)

Siehe da: aus zwei Deutschen, die eigentlich nie frühstücken, werden dank griechischem Joghurt zu Frühstück-Profis. Etwas Honig und Nüsse drüber, dazu Früchte und gut ist. Ein Kilo reicht uns keine Woche, schließlich muss ja auch noch Tsatsiki hergestellt werden. Aber die Eimer geben gute Keksboxen ab, deshalb ist das natürlich alles geplant. Aus bisheriger Studie hat sich ergeben: 10% Fett sind lecker, zwischen 5% und 2% besteht eigentlich kein Unterschied und die 0%-Variante, die wir, gesund wie wir sind, essen, ist auch lecker. Je höher der Fettgehalt, desto cremiger die Konsistenz und desto weniger säuerlich.

Frühstück auf der Dachterasse mit griechischem
Joghurt, Früchten und Kalitsounia.

 

Vorspeisen:

 

Paximadi (παξιμάδι) und Dakos (ντάκος) 

Obwohl das Brot in den Bäckereien hier wirklich lecker ist, essen viele Kreter statt frischem Brot lieber Paximadi. Das ist eine Art Zwieback, nämlich steinhartes, doppelt gebackenes Gerstenbrot. Früher wurde es so für mehrere Monate haltbar gemacht, heute beißen sich die Kreter freiwillig die Zähne daran aus. Um es mehr oder weniger anständig essen zu können, werden die Paximadi-Stücke mit etwas Wasser aufgeweicht. Spaß, natürlich werden sie mit Olivenöl getränkt, so gehört sich das nämlich!

Eine beliebte Vorspeise auf Basis von Paximadi ist Dakos. Auf das aufgeweichte Brot werden frische gehackte Tomaten gehäuft, es kommt ordentlich Olivenöl und Oregano dazu und gegebenenfalls etwas Feta. Das frühere „Arme-Leute-Essen“ gehört zum absoluten Standard auf Kreta und schmeckt wirklich sehr lecker.

Dakos: Paximadi mit frischen Tomaten,
Olivenöl und Kräutern

Stamnagathi (Σταμναγκάθι)

Stamnagathi, oder auf Deutsch die stachelige Wegwarte (Cichorium spinosum) ist ein Wildkraut, dass vor allem im Frühling verzehrt wird. Stamnagathi ist ein typisches Beispiel für den Einfluss der Berglandschaft auf den kretischen Speiseplan. Das Grünzeug schmeckt bitter und wird als Salat mit Olivenöl und Zitrone serviert.

Interessanter Fakt aus dem Internet:  Die dornigen Stengel der Pflanze wurden früher als Insektenschutz in die Öffnungen von Krügen gesteckt, davon leitet sich der Name ab: „Stamna“ – der Krug und „Agathi“ – der Dorn oder Stachel. Der Pflanze wurden außerdem heilende Kräfte zugesprochen und es ist tatsächlich sehr gesund.

Das Sammeln ist recht mühsam, denn das Grünzeug
versteckt sich zwischen den stacheligen Ästen...


Fava (φάβα)

Fava darf auf keiner griechischen Vorspeisenplatte fehlen. Es handelt sich um ein Püree aus der gelben Fava-Erbse, serviert mit Kapern, Zwiebeln und – richtig geraten – Olivenöl. Es ist also im Grunde genommen das griechische Pendant zum arabischen Hummus, geht auch schnell und einfach selbstgemacht.

Erbsenpüree aus der Fava-Erbse,
normalerweise mit Kapern serviert.

Gigantes Plaki (Γίγαντες πλακί)

Ausnahmsweise mal eine Vorspeise ohne Teig und Käse: Gigantes Plaki sind gebackene Riesenbohnen in Tomatensoße. Eine einfache und sättigende Vorspeise oder Beilage, die ohne viel Schnickschnack gut funktioniert.

Sieht wirklich nicht sehr appetitlich
aus und schmeckt nur so mittelmäßig,
zumindest die aus der Dose

Lupinen (Λουπούνια)

Auf der zweiten Kazani sind wir auf Lupinen gestoßen, genauer gesagt auf die Samen der Pflanze. Die Hülsenfrüchte sind gesund und liefern viel Proteine, für Fitnessgurus wie uns genau das Richtige. Man braucht ein bisschen Übung, denn erstmal wird eine kleine Ecke abgebissen und dann muss der Samen aus der Hülle in den Mund gedrückt werden. Bei unserem Gemüsestand an der Ecke steht ein blauer Sack mit in Salzlake eingelegten Lupinen, da holen wir uns regelmäßig unseren Snack-Nachschub. Auch in Biomärkten in Deutschland finden Lupinen seit einiger Zeit ihre veganen Käufer, wirklich empfehlenswert! Sie werden zusammen mit Oliven zum Raki gegessen, denn in Griechenland geht Alkohol trinken ohne Essen gar nicht!

Lupinen haben mehr Eiweiß als Hähnchen!

Dolmadakia (Ντολμαδάκια γιαλαντζι)

Dolmadakia sind mit Reis, Gewürzen und Zwiebeln gefüllte Weinblätter. Für den ambitionierten Koch gibt es riesige Eimer mit Weinblättern auf dem Markt, aber wer sich die Fitzelarbeit sparen möchte (ich) kann die fertig befüllten Rollen aus der Dose im Supermarkt kaufen. Für mich sind zwei drei der schleimigen Dinger genug, aber sie haben einen durchaus interessanten Geschmack.



Kolokithokorphades (κολοκυθοκορφάδες)

Diese Dinger mit einem viel zu langen und komplizierten Namen sind gefüllte Zucchiniblüten. Sie werden mit derselben Reismischung gefüllt wie Dolmadakia und schmecken deshalb sehr ähnlich; Sie werden auch meistens zusammen serviert. Ich glaube, gefüllte Zucchiniblüten stammen ursprünglich aus Italien und wurden von den Venezianern nach Kreta gebracht. Allerdings füllen die Italiener sie mit Ricotta, warum die Griechen ausgerechnet bei diesem Rezept auf ihren heißgeliebten Käse verzichten bleibt mir allerdings ein Rätsel.

 

Chaniotiko Boureki (χανιώτικο μπουρέκι)

Bei der Kazani im Toplou Kloster gab es neben Brot genau drei für Vegetarier geeignete Essen: Granatäpfel, eingelegter Kohlrabi und Chaniotiko Boureki. Das ist ein Zucchini-Kartoffel-Auflauf mit gereiftem Myzithra, der mir aber tatsächlich nicht so geschmeckt hat (bis jetzt abgesehen von Fisch das einzige Essen!) Vielleicht lag es auch einfach daran, dass die Stücke schon kalt waren, wer weiß!

 

Nerati (Νεράτι)

Nerati ist eine kretische Spezialität, nämlich ein mit Ziegen- und Schafskäse gefüllter Teigfladen. Der Käse heißt Myzithra und wird aus Milch und Molke hergestellt. Wegen seines hohen Fettgehalts eignet er sich für viele Süßspeisen (siehe Kalitsounia).  Serviert werden die Fladen entweder als Vorspeise oder als Nachtisch, dann meistens noch mit ordentlich Honig.

Der Name "Nerati" kommt vom griechischen Wort
"Nero" für Wasser, denn die Teigfladen werden vor
dem Braten mit Wasser bestrichen. 


Bougatsa (μπουγάτσα)

Oh Überraschung: ein griechisch-türkisches Gericht, dass aus gefülltem Blätterteig besteht! Die süße Variante ist mit einer Art Pudding gefüllt und fast das gleiche wie Galaktoboureko und die herzhafte Variante ist mit Käse, Hackfleisch oder Spinat gefüllt. Ist zwar lecker, aber meiner Meinung nach absolut nichts Weltbewegendes.


Tiropitakia (Τυροπιτακια)

Tiropitakia sind mit Feta gefüllte Teigtaschen (gibt's auch als runden "Pie"), sie sehen aus wie Empanadas und sind auf Kreta sehr gängig. Es gibt auch Tiropita, das ist eigentlich dasselbe nur größer und in Tarte-Form. Üblicherweise gibt es Tiropitakia als Vorspeise und man muss sie definitiv mal probiert haben.

Die gefüllten Teigtaschen sind leicht selbst gemacht
 und eignen sich ideal als Snack für unterwegs!


Spanakopitakia (Σπανακόπιτακια)

Hierbei handelt es sich ebenfalls um Teigtaschen, allerdings mit Spinat statt Käse gefüllt. Wir haben sie nicht so oft serviert bekommen wie die Tiropitakia, aber auf der Vorspeisenplatte im Restaurant gibt es häufig beide in Kombination.

Tiro-, Spano- und Hortopitakia
werden am Feuer aufgewärmt

Hortopitakia (χορτοπιτάκια)

Hortopitakia sind das Pendant zu Spanakopitakia und Tiropitakia: dieser Blätterteig"kuchen" werden mit einer Mischung aus 8 bis 10 Kräutern gefüllt. Die Kräuter stammen natürlich direkt aus unseren Bergen und können auf dem Markt gekauft werden, aber man muss sich schon gut auskennen um zu wissen, was genau reinkommt. Gesammelt werden sie im Winter, also Dezember bis Februar.

 

 

Hauptspeisen:

 

Gyros-Pita (γύρος Πίτα)

Man nehme ein frisches Pita-Brot, ordentlich Tsatsiki, gut gewürztes Gyros, Tomaten und Zwiebeln und ein paar Pommes als Beilage und fertig. Gyros-Pita ist zu Recht auch in Deutschland zu finden, deshalb möchte ich gar nicht viel dazu schreiben. Holt euch einfach selbst eins! (Auch wenn die hier natürlich hundertmal besser sind.)


Souvlaki (σουβλάκι)

Souvlaki fällt in die gleiche Kategorie wie Gyros-Pita. Die Fleischspieße gibt es auch in Deutschland an jeder Ecke und sobald sich irgendwo ein Grill findet liegen ruck-zuck auch ein paar Fleischspieße darauf. Frisch von der Glut, lecker! Das machen die Griechen seit 3000 Jahren richtig.


Loukaniko Xydato (λουκανικο ξυδατο) und Apaki (απάκι)

Um Fleisch haltbar zu machen wurde es früher geräuchert und wird oft mit Essig und Kräutern gewürzt. Besonders lecker, aber nicht weit verbreitet ist Loukaniko Xydato, eine grobe Essigwurst, die durch das Räuchern und den Essig einen sehr angenehmen, intensiven Geschmack bekommen. Etwas bekannter ist Apaki, ein Schweinefilet, das mindestens 48 Stunden in eine Essig-Salz-Lake eingelegt wird. Dazu kommen noch Salbei, Thymian, Oregano und Majoran, dann wird das Fleisch mindestes 10 Stunden geräuchert. Auch zum Lagern wird es in eine Schicht Kräuter eingewickelt, daher kommt das intensive, Aroma.

Apaki - geräuchertes Sauerfleisch


Stifado (στιφάδο)

Kaninchen in Weinsoße findet sich als Hauptgericht auf so gut wie jedem Menü. Auf griechisch heißt das Stifado, auch wenn das Ragout manchmal mit anderem Fleisch zubereitet wird. Schmorbroten, Gulasch oder eben Stifado, so sehr unterscheidet sich die internationale Küche dann doch nicht.

 

Skioufichta (σκιουφιχτα)

Ja, es gibt auch kretische Nudeln und es waren nicht mal die Venezianer, die sie angeschleppt haben. Skioufichta sind aufgrund ihrer verdrehten Form recht aufwendig herzustellen und erfordern eine gewisse Fingerfertigkeit. Der Name kommt vom kretischen Wort „skioufizo“, das heißt „drehen“. Natürlich gibt es verschiedenste Rezepte, aber zumindest in der Taverne gibt es sie meistens in einer Käsesoße aus Myzithra und Kräutern.


Moussaka (μουσακάς)

Nachdem in Zeiten des Lockdowns Tavernen geschlossen haben, hatten wir mal wieder Lust auf griechisches Essen, genauer gesagt auf Moussaka. Allerdings ist bei der Menge an Restaurants die Auswahl sehr groß und wir wussten nicht wo es Moussaka zum abholen gibt, deshalb haben wir in unserem Café nachgefragt. Hier kommt mal wieder die kretische Hilfsbereitschaft ins Spiel: froh über die Aufgabe telefoniert Kostas kurz herum, fragt zur Sicherheit noch nebenan nach und sagt uns, wo und wann wir unser Abendessen abholen können. Zwei Stück Kuchen kriegen wir auch noch dazu!

Moussaka ist eine Art arabische Lasagne, also ein gewürzter Auflauf aus Kartoffeln, Aubergine, Tomaten, Hackfleisch, Gewürzen und Béchamel-Soße, mit Käse überbacken. Geholt ist es auf jeden Fall lecker, aber auch selbst gemacht geht gut und einfach.

Moussaka-Auflauf.



Süßspeisen:

 

Baklava (μπακλαβάς)

Baklava stammt aus dem Osmanischen Reich und man findet es deshalb in Griechenland genauso wie in der Türkei. Es gibt kein zu süß und bei den Unmengen an Nüssen und Sirup müsste der tägliche Kalorienbedarf nach ein paar Stücken recht schnell gedeckt sein, aber sie schmecken einfach so gut! Besonders unpraktisch ist natürlich die Tatsache, dass es direkt an unserer Straßenecke eine Patisserie mit verschiedensten Baklava-Sorten gibt, deshalb ist es schon das ein oder andere Mal vorgekommen, dass wir abends mit einer Portion Baklava am Hafen saßen.

Verschiedene Sorten Baklava, danach hatten
Hanna und ich einen "leichten" Zuckerschock!

Kalitsounia (καλιτσούνια) 

Direkt am ersten Tag hat uns unsere Vermieterin als kleines Willkommensgeschenk eine Box mit Kalitsounia mitgegeben. Es handelt sich um süße Gebäckstücke, die auf Kreta traditionell am Ostersonntag und zum Namenstag gegessen werden.

Kalitsounia gibt es in verschiedenen Formen: die häufigsten sind Kalitsounia Lychnarakia (καλιτσουνια λυχναρακια) in Törtchenform und Kalitsounia Anevata (καλιτσουνια ανεβατα) in Brötchenform. Gefüllt sind sie mit süßem Myzithra-Käse, einer Art kretischem Ricotta aus Schafs- und Ziegenmolke, verfeinert mit Zimt. Da sie nicht zu süß sind, muss man wirklich aufpassen, nicht zu viele zu essen, so lecker schmecken sie. Deshalb haben wir vorsorglich von unserer Kalitsounia-Box die meisten erstmal eingefroren…

Kalitsounia Lychnarakia als
Lernsnack am Hafen.


Lokoumades (λουκουμάδες)

Lokoumades sind frittierte Teigbällchen, die mit viel Zimt und Sirup getränkt und mit Nüssen bestreut werden. Wem das noch nicht genug Zucker ist, der kann sich auch die Variante mit Schokosoße bestellen, aber soweit ist es bei uns noch nicht gekommen. Die Griechen essen die Bällchen nicht einmal unbedingt zum Nachtisch, sondern eher als eine Art Zwischenmahlzeit, weshalb die Portionen auch dementsprechend groß sind. So gut wie sie schmecken ist das aber nicht das Schlechteste…

Da läuft einem das Wasser doch im Mund zusammen!

Galaktoboureko (Γαλακτομπούρεκο)

Galaktoboureko ist eine Art süßer Börek, das heißt, eine mit Pudding gefüllte Blätterteigtasche. Besonders originell ist das ja nicht: Blätterteig, irgendetwas Milchiges / Käsiges und dazu am Besten noch Sirup, aber die Kombi funktioniert in verschiedensten Haupt- und Süßspeisen. Der einzige Unterschied zu süßem Bougatsa ist übrigens der Sirup.

Galaktoboureko, eine weitere
leckere Süßspeise.

Kourabiedes (κουραμπιέδες)

Kourabiedes sind sozusagen die griechischen Vanillekipferl. Das Rezept wird aber von Familie zu Familie stark variiert, manche machen Ouzo, Whiskey oder Cognac in den Teig, einige formen Bälle, andere Halbmonde. Eines haben aber alle gemeinsam: ordentlich Puderzucker! Da können Vanillekipferl nicht mithalten…

 

Kourabiedes


Melomakarona (μελομακάρονα)

Das erste Mal haben wir diese Weihnachtskekse im Oktober probiert. Warum auch nicht, in Deutschland gibt es ja auch ab September Lebkuchen zu kaufen. Der Teig der Melomakarona ist an sich nicht süß, die Süße kommt erst nach dem Backen: die Kekse werden in einem Zuckerwasser-Sirup aus Honig und Gewürzen getränkt und anschließend noch mit Walnüssen bestreut. Manchmal werden sie auch noch mit Schokolade ummantelt, aber ich finde, die Schokolade überdeckt den Geschmack zu sehr und macht die Kekse zu süß. Ab jetzt werde ich zu Weihnachten wohl auch griechische Kekse backen! (Rezepte gibt es im Weihnachtspost)

Der Klassiker: Melomakarona

Koulourakia (κουλουράκια)

Eigentlich sind Koulourakia ein Oster-Gebäck, aber wie auch bei anderen Leckereien sind die Griechen nicht ganz so konsequent damit und man kann sie das ganze Jahr kaufen. Ganz so einfach sind sie nicht zu erkennen, denn Koulourakia gibt es in verschiedensten Formen: als Kringel, in S-Form, geflochten oder gedreht, mit Sesam bestreut oder nicht. Archäologische Funde belegen, dass es dieses Gebäck schon seit dem Minoischen Zeitalter (also etwa 2600-1100 v.Chr.) gibt, das spricht also durchaus für sie!

Ein Ostergebäck, dass es das ganze Jahr
hindurch zu kaufen gibt.


Sonstiges:


Olivenöl (ελαιόλαδο)

Im Durchschnitt verbraucht ein Kreter 18-30 Liter Olivenöl pro Jahr. Im Griechischen gibt es nur ein Wort für Olive und Olivenbaum und im Englischen sprechen sie immer von „olive oils“ statt „olive trees“, so sehr sind diese Begriffe miteinander verbunden. Seit Jahrtausenden sind die diese Bäumen und ihre Früchte Teil des kretischen Lebens, sie symbolisieren den Lauf des Lebens und der kretischen Zivilisation im Laufe der Jahrhunderte. Wir haben versucht, diese Verbundenheit zu verstehen und zu lernen, warum dieser Baum eine so tiefgehende Bedeutung für die Menschen hat. Deshalb haben wir wiederholte Male an der Olivenernte teilgenommen, dazu mehr unter meinem Blogpost aus dem November. Jetzt kenne ich mich nach ein paar Monaten Kreta viel zu gut mit Oliven und Olivenöl aus. Fakt ist, dass ich zu verwöhnt für das „gute“ Olivenöl aus dem Supermarkt sein werde, und sowohl beim Kochen, als auch beim Backen mich an die kretische Allzweckformel halten werde: Olivenöl. Es ist sogar wissenschaftlich bewiesen, dass Olivenöl gut für die Gesundheit ist und die Langlebigkeit fördert!

Das kretische Lebenselixir.

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