Bei der Bezeichnung
„Naturfreiwilligendienst“ ist die erste Assoziation oft praktische Arbeit in
der Natur. Das ist zumindest in Geoparks meistens nicht der Fall, aber hin und
wieder gibt es auch das. So wie heute zum Beispiel, denn es muss ein Wanderweg
markiert werden.
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| Damit sich niemand verläuft! |
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| Agios Georgios |
Im Sitia Geopark gibt es 23
„Georouten“, die zu Fuß, mit dem Mountainbike oder dem Auto erkundet werden
können. Wir nehmen uns heute die Georoute 18 vor, die in dem kleinen Dorf Exo
Mouliana beginnt. Zunächst geht es vorbei an alten Gebäuden: ein venezianisches
Haus, die byzantinische Kirche Agios Georgios mit Inschriften und Bildern aus
dem 15. Jahrhundert, und den Ruinen von Windmühlen, die für die Lasithi-Gegend
sehr typisch sind.
Der Weg endet in einem Schafstall, dann wird er zu einem
Pfad, der den Bergrücken hinaufführt. Schon jetzt ist die Aussicht toll, doch
sie wird noch besser, als wir oben ankommen. Hier befindet sich Portes
(=Tür), eine minoische Ruine. Von hier oben ist die einzigartige Schönheit
Sitias ersichtlich: im Nordosten erstreckt sich der äußerste Zipfel Kretas, das
Cavo Sidero, im Westen sieht man Agios Nikolaos und dahinter die
schneebedeckten Gipfel des Dikti-Gebirges. Man kann Sitia mit dem Flughafen
sehen und das wunderschön blaue Meer mit den Dionysades Inseln. Ein
Eleonorenfalke gleitet elegant durch die Lüfte und neben uns fällt die Schlucht
steil ab. Ich könnte ewig hier sitzen, aber wir haben noch einige
Wegmarkierungen zu setzen!
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| Blick nach Agios Nikolaos mit den schneebedeckten Gipfeln der Dikti-Berge |
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Blick nach Exo Mouliana
 | Die minoische Siedlung Portes
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Schließlich erreichen wir das
kleine Limnes Plateau auf 840m Höhe. Hier oben am Fuße des höchsten Berges im
Geopark, dem Megali Mouri (1179m), ist es doch deutlich kälter als unten in
Sitia, es liegt sogar etwas Schnee. Eine Besonderheit sind die steinernen
Brunnen, deren Wasser ein kleines Feuchtgebiet bildet. Ein paar Schafe rennen,
empört über die Ruhestörung vor mir weg.
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Das Limnes Plateau
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| Hier liegt sogar noch etwas Schnee |
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| Ein kleiner See, gespeist durch die Steinbrunnen von Limnes |
Der Weg führt weiter durch
Koukistres, ein kleines Wäldchen aus Kermes Eichen. In Ostkreta gibt es kaum
Wälder, abgesehen vom Vai Palmenwald und kleineren Flächen von Platanen. Der
Weg ist steil und die Erde sehr lose, gar nicht so einfach, wenn man beide
Hände voll mit Farbbecher und Pinsel hat… Meine Wanderhose ist jetzt auf jeden
Fall etwas bunter.
Schließlich kommen wir an einem
kleinen Sträßchen an, das zurück nach Mesa Mouliana führt. Entlang des Weges
befinden sich viele versteinerte Schwämme und auch die geologische Geschichte
der Insel lässt sich am Gestein ablesen: das Land, das heute Kreta ist, wurde
einst durch tektonische Bewegungen aus dem Meer hochgedrückt. An den schrägen
Gesteinschichten lässt sich das noch heute erkennen: sie sind abfallend zum
flachen Kap Cavo Sidero und aufsteigend in Richtung der Bergketten Kretas. Nach
11km kommen wir im Dorf Mesa Mouliana an, von wo aus uns der Bürgermeister
höchst persönlich zurück nach Exo Mouliana fährt.
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| Ein versteinerter Schwamm |
Die Georoute 18 ist wirklich eine
tolle und vor allem sehr abwechslungsreiche Wanderung, zumal sie jetzt die
bestimmt schönsten Wegmarkierungen Kretas hat!
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