Freitag, 8. Januar 2021

Ein kleiner Ausflug in die Berge

Aufgrund des Lockdowns sind Ausflüge kaum möglich. Trotzdem hatten wir die Gelegenheit, die Landschaft westlich von Sitia ein wenig zu erkunden.

Am Ende der Agioi Pantes Schlucht hat der Wind bizarre Landformen geschaffen: durch Erosion entstanden zerklüftete Felssäulen, der weiße Fels im starken Kontrast zum strahlend blauen Himmel an diesem schönen Tag.



 Normalerweise zieht das Kloster Panagia Faneromeni zahlreiche Besucher und Pilger an, zurzeit ist alles still. Es befindet sich nahe der Agioi Pantes Schlucht, in dessen Höhlen einst Einsiedler des Klosters lebten. Im Herzen des Klosters befindet sich eine kleine Kirche mit alten Freskos aus dem Jahr 1455, doch viele sind zerstört. Vermutlich waren es die türkischen Besetzer, die hier wie an zahlreichen anderen Orten die Bilder mit Feuer schwärzten und den Heiligen die Augen auskratzten.

Direkt hinter der Kirche befindet sich eine kleine Höhle, die „Eremitenhöhle“. Der Überlieferung nach fand einst ein Schäfer eine Ikone der Jungfrau Maria in dieser Höhle. Er nahm sie mit und brachte sie nach Hause zu seiner Frau, doch als er seine Tasche öffnete, war sie verschwunden. Am nächsten Tag besuchte er die Höhle erneut und fand das Bild an derselben Stelle. Er versuchte es wieder und wieder, bis er schließlich erkannte, dass es der Wille der Jungfrau Maria war, dort zu bleiben. Daraufhin beauftragte er zwei Mönche mit dem Bau des Klosters. Bis heute befindet sich das Bild der Maria in der kleinen Höhle und auch der Name des Klosters Faneromeni (=Enthüllte) leitet sich davon ab.

Die Eremitenhöhle mit dem Bild der
Heiligen Maria


Ein Stück weiter, am Meer sehe ich immer wieder Menschen, die gebückt durch die karge Landschaft trotten, immer mal wieder anhalten und etwas zu suchen scheinen. Es ist die Zeit der Wildkräuter, die einen elementaren Teil des kretischen Speiseplans ausmachen. Uns wird gezeigt, wie man Stamnagathi erntet, die „stachelige Wegwarte“. Das ist allerdings gar nicht so einfach, denn die grünen Blättchen verstecken sich zwischen Dornen, so wie das fast alle Pflanzen hier tun. Bald haben wir den Dreh raus und es gibt zum Abendessen einen leckeren Stamnagathi-Salat! Das Kraut wächst übrigens nur in Küstennähe, denn sie braucht den hohen Salzgehalt. (In der Spalte „Kleiner Food-Blog“ findet sich natürlich auch hierzu noch einen Eintrag.)


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