Dreieinhalb Monate bin ich jetzt schon hier, mehr als die Hälfte meiner Zeit auf Kreta ist vorbei. Es ist viel passiert, und doch irgendwie wenig. Seit drei Monaten sind wir im Lockdown, noch immer gelten Ausgangssperren, Maskenpflicht und strenge Einschränkung der Bewegungsfreiheit. Ich hatte gehofft, den Geopark entdecken zu können und vielleicht auch andere Teile der Insel, doch daraus ist nichts geworden. Trotz abnehmender Zahlen wird sich die Situation vermutlich nicht bedeutend ändern. Und dennoch bin ich sehr zufrieden mit meinem Leben hier. Sicher, aufregend ist es nicht gerade und die Alltagsroutine ist manchmal auch frustrierend, aber dafür sind es die kleinen Erlebnisse und Momente, die diese unterbrechen und mich daran erinnern, wie glücklich ich mich schätzen kann, hier zu sein. Sitia ist längst zu einer dritten Heimat geworden und ich weiß, dass ich noch oft hierher zurückkommen werde. Die Strände und Museen, Schluchten und Städte, die ich besuchen wollte, laufen mir nicht davon. Außerdem habe ich Zeit, soviel Zeit, wie ich vermutlich lange nicht mehr haben werde. Zeit, um Sport zu machen, reihenweise Bücher zu lesen, Strandspaziergänge zu machen. Zeit, um aufwendig zu kochen, Ukulele zu spielen und stundenlang Griechisch zu lernen. Zeit, um das CDU-Kanzlerduell zu schauen, ich denke das spricht wirklich für sich! Auch die Arbeit macht wirklich Spaß, selbst aus dem Homeoffice heraus. Um den Geopark zugänglicher für Kinder zu gestalten, schreibe ich an einem kleinen Reiseführer, der Informationen mit Spielen, Rätseln und kleinen Aktivitäten verbindet, um nicht nur den Park selbst, sondern auch wichtige Inhalte wie den Klimawandel spielerisch an die Kinder zu vermitteln. Wir kommen gut voran, aber so ein Buch zu machen ist aufwendig: Texte schreiben, Fotos heraussuchen und notfalls selbst machen, Illustrationen über ein Computerprogramm gestalten, sich den Kopf über das Layout zerbrechen.
Ja, die Umstände hätten besser
sein können, aber sich an dem aufzuhängen, was hätte sein können nützt
nichts. Stattdessen versuche ich, soviel aus meiner Erfahrung mitzunehmen, wie
es eben geht.

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