Samstag, 14. November 2020

55 heimatsuchende Hunde

In unserer Straße liegen regelmäßig zwei Hunde rum. Den einen haben wir liebevoll Dickie genannt und für Straßenhunde geht es den zwei ziemlich gut hier. Vor allem gibt es in Sitia viele Katzen, aber die meisten werden von den Leuten ganz gut versorgt. Aber nicht alle Streuner haben es gut und deshalb gibt es Sitia Animal Rescue, eine Non-Profit Organisation, die sich um die Tiere kümmert, sie aufpäppelt und zur Adoption freigibt. Helfende Hände werden immer gebraucht und Hanna und ich freuen uns schon seit Tagen darauf. Wegen den Corona-Ausgangsbeschränkungen können wir aber nicht im Auto mitfahren, also gehen wir zu Fuß zum Tierheim, auch wenn es ein gutes Stück außerhalb von Sitia liegt. Die Strecke bis zum Lidl gehört ja sowieso zu unserem wöchentlichen Ausflugsziel und von da aus sind es nur noch 20 min. Allerdings sind es 20 min auf der Nationalstraße, upsi…

Momentan gibt es hier um die 55 Hunde und 7 kleine Kätzchen. Pro Jahr werden um die einhundert Tiere adoptiert, oft aus dem Ausland. Das wird durch Corona aber erschwert, denn es gibt kaum Flüge, um die bereits adoptierten Vierbeiner in ihr neues Zuhause zu schicken.

Das Grundstück ist durch Zäune in verschiedene Abschnitte geteilt, damit die Hunde je nach Alter, Charakter und Geschlecht unter sich bleiben. Einige bellen eifrig, als wir uns nähern und weichen dann sofort zurück und verstecken sich ängstlich, andere drängen sich sofort um uns und können gar nicht genug Aufmerksamkeit bekommen. Bei so einer stürmischen Begrüßung bin auch ich als Hundefreund leicht überfordert… Trotz der liebevollen Pflege sieht man vielen Hunden an, dass sie Streuner sind, vor allem natürlich denen, die noch nicht lange hier sind. Ihr stumpfes Fell spannt sich über die Knochen und sie sind so abgemagert, dass man jede Rippe zählen kann. Besonders süß ist der Wurf schwarz-grauer Welpen, die sich neugierig ans Gitter drücken und über ihre Geschwister klettern und purzeln, um den bestmöglichen Blick auf uns zu erhaschen.

Etwas später kommt der Tierarzt vorbei, um einige Impfungen zu verabreichen. Dafür müssen die Hunde gefangen, ihr Chip gescannt und natürlich die Spritze verabreicht werden. Manche Hunde sind ganz ruhig und ertragen die Prozedur mehr oder weniger gleichgültig. Wenn nicht, dann steht „Dog Fishing“ an. Der Tierarzt hat einen langen Stab mit einem Ring dran und versucht so, die Hunde einzufangen, die sich eben nicht einfach so impfen lassen wollen. Das Ding sieht aus wie das Werkzeug des Tierfängers, der als Bösewicht in einem Disneyfilm fungiert, aber es ist die einzige Möglichkeit, die teils panischen Hunde einzufangen. Es fällt allen Anwesenden sichtlich schwer, ihre Schützlinge so ängstlich und wild mit dem Stab kämpfend zu sehen. Zur Belohnung gibt es danach aber Leckerlis und die Hunde vergessen schnell wieder die Sache mit dem Impfen und lassen sich füttern und streicheln.

Ich habe größten Respekt vor den Menschen, die neben ihren Vollzeit-Jobs täglich hierher kommen, um die Tiere zu füttern und zu pflegen, zu putzen und sich um den ganzen Papierkram kümmern, ohne einen Cent dabei zu verdienen. Die Arbeit ist nicht immer einfach und kann sehr kraftraubend sein, aber wenn dann ein neuer Besitzer ein Foto von einem frisch adoptierten Hund schickt, der in eine Decke eingewickelt in seinem neuen Heim ist, dann ist es alle Anstrengungen wert. Wir werden definitiv versuchen, regelmäßig her zu kommen um unseren Teil beizutragen.

Hier ist der Link für die Website des Tierheims: http://sitia-animal-rescue.gr/

Zugegeben: ich bin schockverliebt.

*55 heimatsuchende Hunde und 7 kuschelige Kätzchen

Montag, 9. November 2020

Sitias geheimer Urwald

Spontan dürfen wir heute trotz Lockdown einen kleinen Ausflug in den Geopark unternehmen und zwar in die Richtis-Schlucht. Im Sommer gehört sie zu den beliebtesten Besuchszielen der Umgebung und zieht mehrere hundert Touristen am Tag an.

Die Schlucht befindet sich nahe des Dorfes Exo Mouliana. Wir stellen das Auto nicht oben auf dem Parkplatz ab, sondern fahren bis runter in die Schlucht. An der aus dem Jahr 1907 stammenden Steinbrücke Lachnas beginnt der Wanderweg. Bis zum berühmten Wasserfall, von dem die Schlucht ihren Namen hat (Wasserfall = richtis im kretischen Dialekt), sind es 1,8km und bis zum Ende der Schlucht beziehungsweise dem Strand sind es 3,3km. Obwohl ich behaupten würde, dass Hanna und ich beide fit unterwegs sind, können wir mit Vangelis kaum mithalten! Dazu kommen noch die schwülen Temperaturen und ich fühle mich wirklich wie in den Tropen! Ich nehme mir natürlich trotzdem die Zeit, Fotos zu machen und die Umgebung zu bewundern.

Die Richtis-Schlucht ähnelt dem Rest des Parks keineswegs, es ist hier so grün und dicht bewachsen wie ich es sonst in der Umgebung Sitias noch nicht gesehen habe. Abgesehen von Olivenbäumen und dem Palmenwald Vai gibt es in Ostkreta kaum Bäume, dafür ist es im Sommer zu heiß und zu trocken. Da der Fluss aber ganzjährig durch die Richtis-Schlucht fließt, hat sich hier eine einzigartige Flora und Fauna entwickelt. Das Blätterdach ist an einigen Stellen so dicht, dass es an einem bewölkten Tag wie heute richtig dunkel ist! Brombeersträucher säumen den Pfad, hin und wieder hängen Lianen um Weg. Sogar kanarische Phönixpalmen fühlen sich hier wohl, allerdings sind sie problematisch, da sie das heimische Ökosystem stören. Vangelis weist uns auf besondere Pflanzenarten hin, erzählt uns etwas über die Wassermühlen in der Schlucht und zeigt uns einen Strauch mit wildem Salbei, von dem wir uns direkt etwas mitnehmen.

Erst vor wenigen Tagen wurden die Holzstege fertiggestellt, die den Weg an einigen Stellen erleichtern sollen. Trotzdem ist der Weg gerade bei leichtem Nieselregen nicht zu unterschätzen, da der Bach überquert oder Felsen überwunden werden müssen. Uns macht das natürlich nichts aus, aber im Sommer staut sich der Verkehr vermutlich an der einen oder anderen Stelle.

Schließlich erreichen wir den Wasserfall. Etwa zwanzig Meter fällt das Wasser und sammelt sich in einem kleinen Pool, wo Besucher im Sommer nur zu gerne ein erfrischendes Bad nehmen. Problematisch wird es dann, wenn Shampoo und Sonnencreme das Wasser so stark verschmutzen, dass das Ökosystem gestört wird. Baden reizt mich gerade allerdings nicht, denn mittlerweile nieselt es durchgehend und wir machen uns relativ schnell wieder auf den Rückweg.

Gerade weil ich bei „Schlucht“ eher an eine karge Karstlandschaft wie bei der Schlucht von Kato Zakros gedacht habe, war ich überrascht und beeindruckt von Richtis. Ich möchte auf jeden Fall nochmal im Frühling wiederkommen, wenn die ganzen Pflanzen blühen. Aber auch so hat sich der Ausflug trotz des schlechten Wetters gelohnt!

Die Lachnes-Brücke am Anfang der Richtis-Schlucht

Urwald in der eigentlich kargen Landschaft Sitias

Der berühmte Wasserfall

Samstag, 7. November 2020

Lockdown: von SMS, Großputz und Nudelmachern

Am Donnerstag, dem 5. November um zwölf Uhr kündigt der griechische Präsident an, dass ab Samstag ein nationaler Lockdown verhängt wird. Trotz der rasch ansteigenden Zahlen in Griechenland kommt diese radikale Verschärfung der Maßnahmen doch recht überraschend, auch wenn vor ein paar Tagen die Maskenpflicht verschärft wurde; sie gilt sowohl für offene, als auch für geschlossene Räume. Auch die Polizeipräsenz ist deutlich erhöht worden. Auf Kreta halten sich die Corona-Zahlen aber in Grenzen und in Sitia gibt es anscheinend derzeit keinen einzigen bestätigten Fall (leider findet man im Internet keine konkreten Zahlen). Wir haben hier natürlich den Vorteil der Abgelegenheit, abgesehen von den umliegenden Dörfern gibt es keinen Pendlerverkehr und somit wenig Menschen (und Viren) Austausch. Trotzdem gilt der Lockdown auch hier und die Griechen sind bei diesem Thema um Einiges konsequenter als die Deutschen: verlassen darf man sein Haus nur, wenn man eine SMS mit Namen, Adresse und Grund abschickt und eine Bestätigung erhalten hat. Erlaubte Gründe sind Arzt/Apotheke, Bank, Einkaufen, Unterstützung von anderen Menschen (z.B. Ältere), Zeremonien (z.B. Hochzeit, Taufe, Beerdigung) und körperliche Betätigung im Freien. Da das SMS-System nur mit griechischen Handynummern funktioniert, füllen wir beim Verlassen des Hauses ein Formular aus und nehmen es für den Fall einer Kontrolle mit. Für die Arbeit haben wir ein extra Formular, das heißt wir dürfen jeden Tag ohne extra Erlaubnis zur Arbeit in die Bibliothek oder Ausflüge in den Geopark unternehmen.

Tatsächlich hat der Lockdown bis jetzt keine großartigen Auswirkungen auf mich und meinen Alltag, abgesehen von dem kleinen bürokratischen Aufwand. Mal kurz ins Café gehen fällt aus, genauso wie abends am Hafen sitzen. Das Fitnessstudio hat auch geschlossen, also stehen Home-Workouts und Joggen gehen an. Langweilig wird uns definitiv nicht, am ersten Tag des Lockdowns haben wir das Haus gründlich von oben bis unten geputzt und dabei eine Nudelmaschine gefunden, die wir auch direkt eingesetzt haben. Wir werden sehen, wie sich die Lage weiter entwickelt…

Großputz an Tag 1 des Lockdowns

Selbstgemachte Nudeln, Zeit haben wir schließlich

Wenn wir das Haus doch mal verlassen,
dann natürlich nur mit Mundschutz!

Mittwoch, 4. November 2020

Warum man an Wasserfässern riechen sollte

 Heute geht es nach Lithines, ein kleines Dorf südlich von Sitia. Schon auf der Fahrt fällt mir auf, dass sich die Landschaft hier deutlich von der im östlichen Teil des Geoparks unterscheidet: es ist nämlich richtig grün! Natürlich liegt das auch an den Olivenbäumen, aber da es in den letzten Tagen viel geregnet hat, sprießen überall Grashalme. Sogar auf Google Maps sieht man, dass sich die Strecke wie ein grünes Band von Nord nach Süd zieht. Lithines ist mit seinen knapp 300 Einwohnern wirklich klein, aber recht alt und mit interessanten Gebäuden und Geschichten.

Während der venezianischen Besetzung errichteten die Herrscher hier einen Turm, um die umliegende Gegend übersehen zu können. Als später die Türken die Insel besetzten, übernahmen sie den Turm für ihre Zwecke. Jahre später, während der griechischen Unabhängigkeitskämpfe, verbarrikadierten sich 390 Männer und Frauen im Gebäude, woraufhin die Widerständler den Turm in die Luft zu sprengen versuchten. Zwar gelang das nicht, aber der Holzboden fing durch die Explosion Feuer. Im verzweifelten Versuch, die Flammen zu löschen, schütteten die Türken ein Fass mit Raki ins Feuer, sie hatten es irrtümlicherweise für Wasser gehalten. Nur eine einzige Frau überlebte und der komplett zerstörte Turm wurde nie wieder aufgebaut. Tja, die Verwechslungsgefahr zwischen Wasser und Raki ist auch mir schon aufgefallen, aber mit weniger dramatischem Ausgang…

Auch ohne Turm hat Lithines einiges zu bieten. Die Sträßchen sind so eng und verwinkelt, dass ich zur Abwechslung mal nicht um mein Leben fürchten muss, sobald ich das Haus verlasse, und das Dorf strahlt eine unglaubliche Ruhe aus. Die Häuser sind durch kleine Gassen, Innenhöfe und schmale Treppen und Stufen so miteinander verbunden, dass das ganze Dorf wie ein einziger Häuserkomplex wirkt. Mit weiß getünchten Häusern, blühenden Pflanzen und einem atemberaubend schönen Abendhimmel könnte das Ganze einem Reisemagazin entspringen!

Bald beginnt die Orangensaison...


Die Kirche von Lithines


Die Gassen von Lithines

Ein besonders schön restauriertes Gebäude dient als Lagerraum für volkskundige Gegenstände aus allen möglichen Zeiten: neben gerahmten Fotografien der ehemaligen griechischen Monarchen steht ein altes Feldtelefon, mit Korb umflochtene Glasgefäße, ein Webstuhl und Schafsschädel. Ich komme mir so vor, als wäre ich in einem Wimmelbild gelandet! Einige dieser Gegenstände werden irgendwann in Folklore-Museen ausgestellt, bis dahin werden sie hier gelagert.

Folklore-Museen gibt es auf Kreta viele, hier werden alle
möglichen volkskundigen Gegenstände gelagert

So schön die kleine Stadtführung auch war, jetzt beginnt der zweite Teil des Abends: Kazani! Dieses Mal in kleinerem, familiärem Rahmen. Natürlich gibt es auch dieses Mal Unmengen an fantastischem Essen: frisches Pitabrot, Kartoffel-Lamm-Eintopf, Souvlaki und gegrilltes Gemüse, Dakos, Baklava, Zitronenkuchen und und und. Der Granatapfelvorrat hört nicht auf und sobald die Raki-Flasche leer ist, wird sie am Fass wieder aufgefüllt. Irgendwann holt einer der Männer eine Lyra heraus und beginnt zu spielen. Es sind Verse des Erotokritos, einer Liebesgeschichte des berühmten aus Sitia stammenden Dichters Vitsentzos Kornaros. Es dauert nicht lange, bis Einige anfangen, den stiakos pidichtos zu tanzen, den „Sitianischen Hüpftanz“, der aufgrund seiner kulturellen Bedeutung sogar unter immateriellem UNESCO-Schutz steht. Es herrscht eine besondere Stimmung, die sich kaum in Fotos oder Videos und schon gar nicht mit Wörtern beschreiben lässt. Man muss eine Kazani einfach mal selbst erlebt haben!

Wie genau Raki hergestellt wird, könnt ihr im Post über die Toplou-Kazani nachlesen

Alles vom Grill hat ausnahmslos gut geschmeckt...

Lamm-Kartoffel-Eintopf, das Lamm stand vor ein paar Tagen noch auf der Weide in Sitia

Kretische Volksmusik ist sehr besonders, es lohnt sich, mal reinzuhören

Der sitianische Volkstanz darf auch nicht fehlen!

Sonntag, 1. November 2020

Auf einen Raki beim Abt

Καλό Μήνα! So grüßen sich die Griechen am ersten Tag jedes Monats, wie uns Anastasia auf der Fahrt nach Maridati erklärt. Sie hat uns netterweise eingeladen, nochmal mit ihr an den Strand zu fahren, diesmal in die versteckte Maridati-Bucht. Das Auto holpert über eine kleine geschotterte Straße, die sich zwischen den mit Büschen bewachsenen Hänge hindurchschlängelt. Rings rum ist nur karge Landschaft, das Meer ist nirgends zu sehen. Dann eröffnet sich der Blick auf die kleine geschützte Bucht. Außer uns ist keine Menschenseele da, nur das Meer glitzert verlockend und liegt trotz des windigen Tages ruhig da. Strandtag im November – wie gut, dass ich hier bin und nicht im kalten, nassen Deutschland! Das Wasser ist kristallklar, aber aufgrund der schwarzen Seeigel, die sich an und unter den Steinen am Meeresgrund verbergen, ist Vorsicht geboten. Seeigel gibt an fast jedem Strand Sitias und sie sind eigentlich ein gutes Zeichen: wo sich die stacheligen Tiere wohl fühlen, hat das Wasser eine gute Qualität und ist sauber und klar.

So schön der Blick aufs Meer von unten auch ist, ich möchte die Bucht auch von oben sehen. Also klettere ich den Hang hinauf, top ausgestattet mit meinen Wandercrocs. Oben angekommen bin ich überwältigt von der sich mir bietenden Schönheit. Unsere kleine Bucht liegt fast verlassen da, die Wellen üben eine beinahe hypnotische Anziehungskraft aus, sodass ich regelrecht in der Aussicht versinke. Rechterhand, beziehungsweise im Süden, sieht man die Kouremenos-Bucht, die Windsurfern ideale Bedingungen bietet und auch heute einige Surfer angezogen hat. Auf der anderen Seite fallen steile Klippen ab, die Felsen fügen sich in ihren verschiedenen Farben und Mustern zu einem interessanten Mosaik von Gesteinen zusammen und verleihen dem Küstenabschnitt ein faszinierendes Aussehen.

Aussicht auf die Ostküste Sitias

So langsam knurren uns aber die Mägen und wir fahren ins Toplou-Kloster zum Essen. Ich gehe natürlich davon aus, dass „dort essen“ heißt, dass wir uns in der Taverne etwas bestellen. Aber weit gefehlt, auf uns wartet eine ganz besondere Feier – es ist Zeit für Raki-Kazani! Im Herbst, wenn die Weintrauben auf Kreta reif werden beginnt nämlich nicht nur die Zeit der Weinproduktion, sondern auch die Zeit der Raki-Destillation. Die Herstellung des beliebten Getränks wird von einem Fest begleitet, zu dem Nachbarn, Freunde und Bekannte kommen und Berge von Essen mitbringen und im Gegenzug frischen Raki genießen können. Obwohl wir später kommen, gibt es immer noch riesige Mengen Fleisch und Fisch, Brot und andere Kleinigkeiten; da jeder etwas mitbringt gibt es eine wilde Mischung aus traditioneller und nicht-griechischer Küche, aus Hausgemachtem und Gekauftem. Von allen Seiten wird uns etwas angeboten und nach der Ruhe des Tages habe ich Menschenschock und Reizüberflutung gleichzeitig. Trotzdem ist es ein ganz besonderes Gefühl, hier zu sein. Das Gefühl, die Menschen mit ihren Traditionen und ihrer Kultur richtig kennenzulernen und ich empfinde es als großes Glück, dabei sein zu dürfen. Wegen Momenten wie diesen möchte ich nicht nur verschiedene Orte bereisen, sondern auch längere Zeit erleben, um mehr als nur den beschränkten Einblick eines Touristen zu erlangen.

Bei all dem Trubel geht es aber natürlich immer noch um den Raki! Griechischer Raki ist im Gegensatz zum Türkischen nicht mit Anis versetzt, sondern geschmacklich eher mit italienischem Grappa vergleichbar. Vor allem auf Kreta ist er so weit verbreitet, dass ich bis jetzt noch kein einziges Mal jemanden Ouzo trinken gesehen habe – wenn schon, dann trinkt man Raki! Hergestellt wird das Getränk aus den Pressrückständen der Weintrauben. In einem Kupferkessel wird die Pampe erhitzt und der Destillationsprozess in Gange gebracht (verfeuert werden in Sitia übrigens die getrockneten Olivenkerne, schließlich gibt es nach der Olivenernte mehr als genug davon). In der Region Sitia ist der Raki anscheinend weniger stark als in Chania oder Heraklion („nur“ 40%), damit man mehr davon trinken kann! Natürlich probieren auch wir, so eine Chance bietet sich schließlich nicht alle Tage. Am Kopfende sitzt der Abt, der das Toplou-Kloster verwaltet und von ihm kriegen wir auch eine Colaflasche mit Raki in die Hand gedrückt. Hanna und ich haben natürlich vor, auch noch den ein oder anderen Raki aus anderer Produktion zu probieren und zu wissenschaftlichen Vergleichszwecken sehen wir keine andere Möglichkeit, als diese Flasche unauffällig mitzunehmen. Ist ja nicht so, als gäbe es hier keinen Nachschub!

Ganz rechts sitzt der Abt

Kalimari, Zucciniküchlein, Fleisch und Fisch...

Zum Nachtisch gibt es Baklava!