Heute geht es nach Lithines, ein
kleines Dorf südlich von Sitia. Schon auf der Fahrt fällt mir auf, dass sich die
Landschaft hier deutlich von der im östlichen Teil des Geoparks unterscheidet:
es ist nämlich richtig grün! Natürlich liegt das auch an den Olivenbäumen, aber
da es in den letzten Tagen viel geregnet hat, sprießen überall Grashalme. Sogar
auf Google Maps sieht man, dass sich die Strecke wie ein grünes Band von Nord
nach Süd zieht. Lithines ist mit seinen knapp 300 Einwohnern wirklich klein,
aber recht alt und mit interessanten Gebäuden und Geschichten.
Während der venezianischen
Besetzung errichteten die Herrscher hier einen Turm, um die umliegende Gegend übersehen
zu können. Als später die Türken die Insel besetzten, übernahmen sie den Turm
für ihre Zwecke. Jahre später, während der griechischen Unabhängigkeitskämpfe, verbarrikadierten
sich 390 Männer und Frauen im Gebäude, woraufhin die Widerständler den Turm in
die Luft zu sprengen versuchten. Zwar gelang das nicht, aber der Holzboden fing
durch die Explosion Feuer. Im verzweifelten Versuch, die Flammen zu löschen, schütteten
die Türken ein Fass mit Raki ins Feuer, sie hatten es irrtümlicherweise für
Wasser gehalten. Nur eine einzige Frau überlebte und der komplett zerstörte
Turm wurde nie wieder aufgebaut. Tja, die Verwechslungsgefahr zwischen Wasser
und Raki ist auch mir schon aufgefallen, aber mit weniger dramatischem Ausgang…
Auch ohne Turm hat Lithines einiges
zu bieten. Die Sträßchen sind so eng und verwinkelt, dass ich zur Abwechslung mal
nicht um mein Leben fürchten muss, sobald ich das Haus verlasse, und das Dorf
strahlt eine unglaubliche Ruhe aus. Die Häuser sind durch kleine Gassen,
Innenhöfe und schmale Treppen und Stufen so miteinander verbunden, dass das ganze
Dorf wie ein einziger Häuserkomplex wirkt. Mit weiß getünchten Häusern, blühenden
Pflanzen und einem atemberaubend schönen Abendhimmel könnte das Ganze einem
Reisemagazin entspringen!
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Bald beginnt die Orangensaison...
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| Die Kirche von Lithines |
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| Die Gassen von Lithines |
Ein besonders schön restauriertes
Gebäude dient als Lagerraum für volkskundige Gegenstände aus allen möglichen
Zeiten: neben gerahmten Fotografien der ehemaligen griechischen Monarchen steht
ein altes Feldtelefon, mit Korb umflochtene Glasgefäße, ein Webstuhl und Schafsschädel.
Ich komme mir so vor, als wäre ich in einem Wimmelbild gelandet! Einige dieser
Gegenstände werden irgendwann in Folklore-Museen ausgestellt, bis dahin werden
sie hier gelagert.
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Folklore-Museen gibt es auf Kreta viele, hier werden alle möglichen volkskundigen Gegenstände gelagert |
So schön die kleine Stadtführung
auch war, jetzt beginnt der zweite Teil des Abends: Kazani! Dieses Mal in
kleinerem, familiärem Rahmen. Natürlich gibt es auch dieses Mal Unmengen an
fantastischem Essen: frisches Pitabrot, Kartoffel-Lamm-Eintopf, Souvlaki und
gegrilltes Gemüse, Dakos, Baklava, Zitronenkuchen und und und. Der Granatapfelvorrat
hört nicht auf und sobald die Raki-Flasche leer ist, wird sie am Fass wieder
aufgefüllt. Irgendwann holt einer der Männer eine Lyra heraus und beginnt zu spielen.
Es sind Verse des Erotokritos, einer Liebesgeschichte des berühmten aus Sitia
stammenden Dichters Vitsentzos Kornaros. Es dauert nicht lange, bis Einige
anfangen, den stiakos pidichtos zu tanzen, den „Sitianischen Hüpftanz“,
der aufgrund seiner kulturellen Bedeutung sogar unter immateriellem
UNESCO-Schutz steht. Es herrscht eine besondere Stimmung, die sich kaum in Fotos
oder Videos und schon gar nicht mit Wörtern beschreiben lässt. Man muss eine
Kazani einfach mal selbst erlebt haben!
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Wie genau Raki hergestellt wird, könnt ihr im Post über die Toplou-Kazani nachlesen
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| Alles vom Grill hat ausnahmslos gut geschmeckt... |
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| Lamm-Kartoffel-Eintopf, das Lamm stand vor ein paar Tagen noch auf der Weide in Sitia |
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| Kretische Volksmusik ist sehr besonders, es lohnt sich, mal reinzuhören |
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Der sitianische Volkstanz darf auch nicht fehlen!
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