Καλό Μήνα! So grüßen sich die Griechen am ersten Tag
jedes Monats, wie uns Anastasia auf der Fahrt nach Maridati erklärt. Sie hat
uns netterweise eingeladen, nochmal mit ihr an den Strand zu fahren, diesmal in
die versteckte Maridati-Bucht. Das Auto holpert über eine kleine geschotterte Straße,
die sich zwischen den mit Büschen bewachsenen Hänge hindurchschlängelt. Rings
rum ist nur karge Landschaft, das Meer ist nirgends zu sehen. Dann eröffnet
sich der Blick auf die kleine geschützte Bucht. Außer uns ist keine
Menschenseele da, nur das Meer glitzert verlockend und liegt trotz des windigen
Tages ruhig da. Strandtag im November – wie gut, dass ich hier bin und nicht im
kalten, nassen Deutschland! Das Wasser ist kristallklar, aber aufgrund der schwarzen
Seeigel, die sich an und unter den Steinen am Meeresgrund verbergen, ist
Vorsicht geboten. Seeigel gibt an fast jedem Strand Sitias und sie sind
eigentlich ein gutes Zeichen: wo sich die stacheligen Tiere wohl fühlen, hat
das Wasser eine gute Qualität und ist sauber und klar.
So schön der Blick aufs Meer von unten auch ist, ich möchte
die Bucht auch von oben sehen. Also klettere ich den Hang hinauf, top
ausgestattet mit meinen Wandercrocs. Oben angekommen bin ich überwältigt von
der sich mir bietenden Schönheit. Unsere kleine Bucht liegt fast verlassen da,
die Wellen üben eine beinahe hypnotische Anziehungskraft aus, sodass ich
regelrecht in der Aussicht versinke. Rechterhand, beziehungsweise im Süden, sieht
man die Kouremenos-Bucht, die Windsurfern ideale Bedingungen bietet und auch heute
einige Surfer angezogen hat. Auf der anderen Seite fallen steile Klippen ab,
die Felsen fügen sich in ihren verschiedenen Farben und Mustern zu einem
interessanten Mosaik von Gesteinen zusammen und verleihen dem Küstenabschnitt
ein faszinierendes Aussehen.
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| Aussicht auf die Ostküste Sitias |
So langsam knurren uns aber die Mägen und wir fahren ins Toplou-Kloster zum Essen. Ich gehe natürlich davon aus, dass „dort essen“ heißt, dass wir uns in der Taverne etwas bestellen. Aber weit gefehlt, auf uns wartet eine ganz besondere Feier – es ist Zeit für Raki-Kazani! Im Herbst, wenn die Weintrauben auf Kreta reif werden beginnt nämlich nicht nur die Zeit der Weinproduktion, sondern auch die Zeit der Raki-Destillation. Die Herstellung des beliebten Getränks wird von einem Fest begleitet, zu dem Nachbarn, Freunde und Bekannte kommen und Berge von Essen mitbringen und im Gegenzug frischen Raki genießen können. Obwohl wir später kommen, gibt es immer noch riesige Mengen Fleisch und Fisch, Brot und andere Kleinigkeiten; da jeder etwas mitbringt gibt es eine wilde Mischung aus traditioneller und nicht-griechischer Küche, aus Hausgemachtem und Gekauftem. Von allen Seiten wird uns etwas angeboten und nach der Ruhe des Tages habe ich Menschenschock und Reizüberflutung gleichzeitig. Trotzdem ist es ein ganz besonderes Gefühl, hier zu sein. Das Gefühl, die Menschen mit ihren Traditionen und ihrer Kultur richtig kennenzulernen und ich empfinde es als großes Glück, dabei sein zu dürfen. Wegen Momenten wie diesen möchte ich nicht nur verschiedene Orte bereisen, sondern auch längere Zeit erleben, um mehr als nur den beschränkten Einblick eines Touristen zu erlangen.
Bei all dem Trubel geht es aber natürlich immer noch um den Raki! Griechischer Raki ist im Gegensatz zum Türkischen nicht mit Anis versetzt, sondern geschmacklich eher mit italienischem Grappa vergleichbar. Vor allem auf Kreta ist er so weit verbreitet, dass ich bis jetzt noch kein einziges Mal jemanden Ouzo trinken gesehen habe – wenn schon, dann trinkt man Raki! Hergestellt wird das Getränk aus den Pressrückständen der Weintrauben. In einem Kupferkessel wird die Pampe erhitzt und der Destillationsprozess in Gange gebracht (verfeuert werden in Sitia übrigens die getrockneten Olivenkerne, schließlich gibt es nach der Olivenernte mehr als genug davon). In der Region Sitia ist der Raki anscheinend weniger stark als in Chania oder Heraklion („nur“ 40%), damit man mehr davon trinken kann! Natürlich probieren auch wir, so eine Chance bietet sich schließlich nicht alle Tage. Am Kopfende sitzt der Abt, der das Toplou-Kloster verwaltet und von ihm kriegen wir auch eine Colaflasche mit Raki in die Hand gedrückt. Hanna und ich haben natürlich vor, auch noch den ein oder anderen Raki aus anderer Produktion zu probieren und zu wissenschaftlichen Vergleichszwecken sehen wir keine andere Möglichkeit, als diese Flasche unauffällig mitzunehmen. Ist ja nicht so, als gäbe es hier keinen Nachschub!
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| Ganz rechts sitzt der Abt |
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| Kalimari, Zucciniküchlein, Fleisch und Fisch... |
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| Zum Nachtisch gibt es Baklava! |
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