Es gibt in Sitia zwar einen kleinen Flughafen, doch dieser wird so selten angeflogen, dass ein Flug nach Heraklion deutlich einfacher ist. Von hier aus fährt ein Bus der Minoan Lines viermal täglich nach Sitia. Die Busfahrt ist schon ein Erlebnis für sich, denn auf gewundenen Straßen folgt man größtenteils der Küstenlinie. Tiefblaues Meer, wunderschöne Strände und beeindruckende Felsformationen bieten einen bezaubernden Ausblick auf die kretische Landschaft. Hin und wieder entfernt sich die Straße von der Küste und führt stattdessen durch malerische Städte und Dörfer sowie durch eindrucksvolle, bergige Karstlandschaften. Die Fahrt dauert etwa vier Stunden, dann erreicht man Sitia, die drittgrößte Stadt der Region Lasithi im Osten Kretas.
Direkt am malerischen Hafen findet man das Café καφέ, dessen
Besitzerin unsere Vermieterin ist. Hanna (die andere Freiwillige im Geopark)
und ich sind begeistert von unserer neuen Unterkunft, denn sie ist groß, schön
eingerichtet und in erstklassiger Lage. Eine schmale Treppe führt in den ersten
Stock mit Küche, Bad, Wohnzimmer und Balkon. Im zweiten Stock gibt es ein
zweites Bad, zwei Schlafzimmer, ein Ankleidezimmer und noch einen Balkon. Über
eine weitere Treppe kommt man auf die große Dachterrasse, meinen absoluten
Lieblingsplatz im Haus. Von hier aus hat man sogar einen guten Blick aufs Meer,
denn unser Haus befindet sich nur zwei Häuserreihen und damit nur zwei Minuten
vom Meer entfernt.
Die ersten Tage verbringen Hanna und ich damit, uns
einzurichten und die Stadt kennenzulernen. Selbstverständlich nutzen wir auch
das gute Wetter und die Nähe zum Meer aus! Und es dauert nicht lange, bis ich
mich in Sitia so richtig wohl fühle. Für mich ist es eine Stadt, die Gegensätze
vereint. Obwohl die Stadt Sitia mit seinen knapp 10 000 Einwohnern wirklich
nicht groß ist (in der Gemeinde leben immerhin fast 20 000), gibt es alles. Da
unser Haus so zentral ist, brauchen wir nur drei Häuser weiter gehen, um im
nächsten Minimarkt einzukaufen. Fünf Häuser weiter sind Käserei, Bäckerei und
Fischladen, eine Straße weiter die Obst- und Gemüsestände. Zum nächsten großen
Supermarkt läuft man fünf Minuten, zum Fitnessstudio sieben. Die weiteste
Strecke, die wir bisher auf uns genommen haben, war etwa eine halbe Stunde den
Berg hoch, denn da befindet sich der Lidl.
Aber das kontrastreiche Sitia bietet noch mehr: wer am Hafen
steht und sich nach links dreht sieht den mit kleinen, hellen Häusern übersäten
Hang. Dreht man sich nach rechts, erheben sich die stolzen Berge des Geoparks.
Da sich die Stadt in einer Bucht befindet, ist das Meer beinahe von Bergen
eingeschlossen. Außerdem habe ich noch nie eine Stadt gesehen, an der es so
viele funktionstüchtige (!) Telefonzellen gibt wie hier, während es am Hafen moderne
Solarbänke gibt, an denen man sein Handy aufladen kann. Trotz der Touristen,
die in den Sommermonaten nach Sitia kommen, um die Ruhe des Geoparks zu
genießen, bewahren sich die Menschen Sitias ihre Authentizität. Der Tourismus
hier ist im Gegensatz zu den größeren Städten Chania und Heraklion nur gemäßigt,
weshalb es kaum reine Touristenspots gibt.
Vielleicht liegt es an der Schönheit der Natur, die sie umgibt, vielleicht am guten griechischen Essen, aber jedenfalls sind die Menschen hier sehr zuvorkommend und nett; stets besorgt, dass es uns gut geht und alles in Ordnung ist. Noch kennt uns zwar nicht ganz Sitia, aber das wird sich vermutlich im Laufe der Zeit ändern, denn in der Kleinstadt kennt jeder jeden.
| Der malerische Hafen Sitias |
| Im Hintergrund sieht man die Berge des Geoparks, die die Sitia-Bucht einrahmen |
| Eine der zahlreichen Streunerkatzen in den Straßen Sitias |
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