Freitag, 25. Dezember 2020

Kαλά Χριστούγεννα!

Ich hätte mir wohl kein besseres Jahr aussuchen können, um das deutsche Weihnachten zu verpassen. Egal ob hier oder zuhause, Weihnachtsmärkte, Familienbesuche und Co fallen dieses Jahr ohnehin aus. Außerdem kommt es doch sowieso immer viel mehr darauf an, was man aus der Situation macht! Und Hanna und ich sind kreativ geworden, haben kiloweise Kekse gebacken und uns unser kretisches Weihnachten ganz besonders schön gemacht.

Die erste Schwierigkeit hat sich Ende November ergeben, als uns auffiel, dass im Lockdown nur noch Lebensmittel verkauft werden dürfen. Wo sollen wir denn bitteschön Lebkuchen und Vanillekipferl, Ausstecherle und Zimttaler verstauen? Die Rettung ist unser Joghurt-Konsum: die Eimerchen eignen sich perfekt. Und bei einem Kilo Joghurt pro Woche haben wir schon einige zusammen. Wie gut, dass wir jetzt nach Herzenslust backen können – Zeit genug haben wir ja!

In der Weihnachstsbäckerei...


Adventskranz mal anders
Zumindest Anfang des Monats war auch der Verkauf von Weihnachtsdeko nicht möglich. Macht nichts, denn Hanna und ich machen uns unsere Deko selber und sparen dabei noch Geld. 😊 In den Bergen gesammelter Salbei wird zur Girlande und kann dabei praktischerweise auch gut durchtrocken. Mit ausgestochenen Mandarinenschalen und getrockneten Orangenscheiben lässt sich was anfangen, unser Adventskranz besteht aus Olivenzweigen mit Mini-Mandarinen, getrockneten Blüten und einer einzigen Kerze. Selbstverständlich haben wir auch einen Weihnachtsbaum: ein Salbeibusch, dekoriert mit ein paar Kugeln, die wir uns von der Weihnachtsdeko der Stadt Sitia „geliehen“ haben. Etwas kleiner als sonst, aber viele Geschenke gibt es ja sowieso nicht! Einen Adventskalender haben wir uns auch gemacht, dazu wird es aber mal einen extra Post geben.

In Griechenland wird Weihnachten am 25. Dezember gefeiert, Geschenke gibt es aber erst am 1. Januar. Trotzdem gibt es um die Weihnachtsfeiertage bestimmte Traditionen, zum Beispiel kommt der Weihnachtsmann auf seinem Boot angefahren und verteilt ein paar Geschenke an die Umstehenden (zumindest in Sitia, aber ganz so sicher bin ich mir da auch nicht), es gibt Sänger und ein Weihnachtsfeuer. Dieses Jahr nicht. Wir müssen uns mit einem Weihnachtsbaum am Hafen, zwei hölzernen Rentieren und einem flauschigen Pony im „Park“ abgeben.



... und Rentier!
Pony ...

Vielleicht kommt der Weihnachtsmann hier mit dem Motorrad?

Die Menschen warten in Schlangen vor den
Läden und schauen durch's Schaufenster,
reingehen geht nicht.

Ein unverzichtbares Element des griechischen Weihnachtens lernen wir trotzdem kennen: Kourabiedes und Melomakarona. Netterweise werden wir eingeladen, um diese beiden griechischen Weihnachtskekse zu backen. Der Teig der Melomakarona ist nicht süß, die Süße kommt erst nach dem Backen: die Kekse werden in einem Zuckerwasser-Sirup aus Honig und Gewürzen getränkt und anschließend noch mit Walnüssen bestreut. Manchmal werden sie auch noch mit Schokolade ummantelt, aber ich finde, die Schokolade überdeckt den Geschmack zu sehr und macht die Kekse zu süß. Kourabiedes sind sozusagen die griechischen Vanillekipferl. Das Rezept wird aber von Familie zu Familie stark variiert, manche machen Ouzo, Whiskey oder Cognac in den Teig, einige formen Bälle, andere Halbmonde. Eines haben aber alle gemeinsam: ordentlich Puderzucker! Da können Vanillekipferl nicht mithalten…

Von verschiedensten Leuten haben wir diese Kekse geschenkt bekommen und obwohl alle ein kleines bisschen anders schmecken, sind die Grundzutaten dieselben. Ich werde ab jetzt wohl zu Weihnachten auch griechisch backen, zwei gute Rezepte habe ich im Internet gefunden (die Griechen haben zwar ein schriftliches Rezept, machen aber dann doch alles nach Gefühl!): Melomakarona Rezept | GuteKueche.at und Kourabiedes - Griechenlands bekanntesten Weihnachtsplätzchen (greek-cuisine.com) .


Beim Kourabiedes backen

Melomakarona, in Sirup getränkte Weihnachtskekse


Das Wetter ist an Weihnachten so schön, als wollte uns Kreta die Vorteile von Weihnachten in Sitia deutlich vor Augen führen. Bei 20°C, wolkenlosem Himmel und strahlenden Sonnenschein gehen wir erstmal baden. Beim ins Wasser gehen werde ich daran erinnert, dass es immer noch Dezember ist, denn das Meer ist doch ziemlich kalt. Einmal drin hat man sich allerdings schnell dran gewöhnt. Eine etwa einen halben Meter lange Mittelmeer-Muräne schwimmt vorbei und wünscht uns Frohe Weihnachten, na dann. 

Baden an Weihnachten, was will man mehr?

Weiße Weihnachten gab es dieses Jahr nicht...

Unser Weihnachtsmenü besteht aus einer bunten Mischung aus allem, worauf wir Lust hatten: Brezeln und Knoblauchbrötchen, frittierte Zucchini und Kartoffeln (natürlich in Olivenöl), gebratene Paprika, Rucola-Salat, Cranberry-Brie Happen im Blätterteig, Datteln im Speckmantel, scharfe Hackbällchen und verschiedene Dips. Natürlich fehlt mir meine Familie heute ganz besonders, aber dank Videokonferenz kommt es mir gar nicht so vor, als wäre ich weit weg. Ein tolles Paket aus Deutschland ist auch noch rechtzeitig gekommen! Außerdem bin ich sehr froh, dass ich Hanna habe. Ohne sie wäre mein ganzer Aufenthalt hier nicht halb so schön, wir motivieren uns gegenseitig, bringen uns auf die verrücktesten Ideen und können immer zusammen lachen. An dieser Stelle einfach mal ein Dankeschön an dich!

Danke für das Lebkuchenhaus-Set,
Noreenski!

Unser kleiner Weihnachtstisch


Der 25. Dezember ist ein Tag der Familie, umso mehr freut es mich, dass Vangelis uns zu Weihnachten zu sich und seiner Familie einlädt. Im Mittelpunkt steht natürlich das Essen! Traditionell gibt es Christopsomo („Christus‘ Brot“), ein Weihnachtsbrot mit Walnuss und Anis. Es ist rund und mit einem Kreuz dekoriert, in der Mitte steckt eine Walnuss. Außerdem gibt es Stamnagathi, Hortopitakia, Xygalo und Oliven, Salat, Porree-Eintopf mit Schweinefleisch, Kartoffeln mit Fleisch und Leber (das Einzige, das ich nicht esse…) und zum Nachtisch Galaktoboureko. Was genau das alles ist, ist auf meinem Food-Blog genauer beschrieben. Damit wir bloß nicht verhungern, kriegen wir auch noch einiges mit nach Hause. Im Januar wird erstmal Diät gemacht…

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