Ich hätte mir wohl kein besseres
Jahr aussuchen können, um das deutsche Weihnachten zu verpassen. Egal ob hier
oder zuhause, Weihnachtsmärkte, Familienbesuche und Co fallen dieses Jahr
ohnehin aus. Außerdem kommt es doch sowieso immer viel mehr darauf an, was man
aus der Situation macht! Und Hanna und ich sind kreativ geworden, haben
kiloweise Kekse gebacken und uns unser kretisches Weihnachten ganz besonders
schön gemacht.
Die erste Schwierigkeit hat sich
Ende November ergeben, als uns auffiel, dass im Lockdown nur noch Lebensmittel
verkauft werden dürfen. Wo sollen wir denn bitteschön Lebkuchen und
Vanillekipferl, Ausstecherle und Zimttaler verstauen? Die Rettung ist unser
Joghurt-Konsum: die Eimerchen eignen sich perfekt. Und bei einem Kilo Joghurt
pro Woche haben wir schon einige zusammen. Wie gut, dass wir jetzt nach
Herzenslust backen können – Zeit genug haben wir ja!
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In der Weihnachstsbäckerei...
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| Adventskranz mal anders |
Zumindest Anfang des Monats war
auch der Verkauf von Weihnachtsdeko nicht möglich. Macht nichts, denn Hanna und
ich machen uns unsere Deko selber und sparen dabei noch Geld.
😊
In den Bergen gesammelter Salbei wird zur Girlande und kann dabei
praktischerweise auch gut durchtrocken. Mit ausgestochenen Mandarinenschalen
und getrockneten Orangenscheiben lässt sich was anfangen, unser Adventskranz
besteht aus Olivenzweigen mit Mini-Mandarinen, getrockneten Blüten und einer
einzigen Kerze. Selbstverständlich haben wir auch einen Weihnachtsbaum: ein
Salbeibusch, dekoriert mit ein paar Kugeln, die wir uns von der Weihnachtsdeko
der Stadt Sitia „geliehen“ haben. Etwas kleiner als sonst, aber viele Geschenke
gibt es ja sowieso nicht! Einen Adventskalender haben wir uns auch gemacht,
dazu wird es aber mal einen extra Post geben.

In Griechenland wird Weihnachten
am 25. Dezember gefeiert, Geschenke gibt es aber erst am 1. Januar. Trotzdem gibt es um die Weihnachtsfeiertage bestimmte Traditionen, zum
Beispiel kommt der Weihnachtsmann auf seinem Boot angefahren und verteilt ein
paar Geschenke an die Umstehenden (zumindest in Sitia, aber ganz so sicher bin ich
mir da auch nicht), es gibt Sänger und ein Weihnachtsfeuer. Dieses Jahr nicht.
Wir müssen uns mit einem Weihnachtsbaum am Hafen, zwei hölzernen Rentieren und
einem flauschigen Pony im „Park“ abgeben.
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| ... und Rentier! |
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| Pony ... |
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| Vielleicht kommt der Weihnachtsmann hier mit dem Motorrad? |
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Die Menschen warten in Schlangen vor den Läden und schauen durch's Schaufenster, reingehen geht nicht. |
Ein unverzichtbares Element des
griechischen Weihnachtens lernen wir trotzdem kennen: Kourabiedes und Melomakarona.
Netterweise werden wir eingeladen, um diese beiden griechischen Weihnachtskekse
zu backen. Der Teig der Melomakarona ist nicht süß, die Süße kommt erst nach
dem Backen: die Kekse werden in einem Zuckerwasser-Sirup aus Honig und Gewürzen
getränkt und anschließend noch mit Walnüssen bestreut. Manchmal werden sie auch
noch mit Schokolade ummantelt, aber ich finde, die Schokolade überdeckt den
Geschmack zu sehr und macht die Kekse zu süß. Kourabiedes sind sozusagen die
griechischen Vanillekipferl. Das Rezept wird aber von Familie zu Familie stark
variiert, manche machen Ouzo, Whiskey oder Cognac in den Teig, einige formen
Bälle, andere Halbmonde. Eines haben aber alle gemeinsam: ordentlich Puderzucker!
Da können Vanillekipferl nicht mithalten…
Von verschiedensten Leuten haben
wir diese Kekse geschenkt bekommen und obwohl alle ein kleines bisschen anders
schmecken, sind die Grundzutaten dieselben. Ich werde ab jetzt wohl zu
Weihnachten auch griechisch backen, zwei gute Rezepte habe ich im Internet
gefunden (die Griechen haben zwar ein schriftliches Rezept, machen aber dann
doch alles nach Gefühl!): Melomakarona Rezept
| GuteKueche.at und Kourabiedes
- Griechenlands bekanntesten Weihnachtsplätzchen (greek-cuisine.com) .
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| Beim Kourabiedes backen |
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| Melomakarona, in Sirup getränkte Weihnachtskekse |
Das Wetter ist an Weihnachten so
schön, als wollte uns Kreta die Vorteile von Weihnachten in Sitia deutlich vor
Augen führen. Bei 20°C, wolkenlosem Himmel und strahlenden Sonnenschein gehen
wir erstmal baden. Beim ins Wasser gehen werde ich daran erinnert, dass es
immer noch Dezember ist, denn das Meer ist doch ziemlich kalt. Einmal drin hat
man sich allerdings schnell dran gewöhnt. Eine etwa einen halben Meter lange
Mittelmeer-Muräne schwimmt vorbei und wünscht uns Frohe Weihnachten, na dann.
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| Baden an Weihnachten, was will man mehr? |
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Weiße Weihnachten gab es dieses Jahr nicht...
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Unser Weihnachtsmenü besteht aus einer bunten Mischung aus allem, worauf wir
Lust hatten: Brezeln und Knoblauchbrötchen, frittierte Zucchini und Kartoffeln
(natürlich in Olivenöl), gebratene Paprika, Rucola-Salat, Cranberry-Brie Happen
im Blätterteig, Datteln im Speckmantel, scharfe Hackbällchen und verschiedene
Dips. Natürlich fehlt mir meine Familie heute ganz besonders, aber dank
Videokonferenz kommt es mir gar nicht so vor, als wäre ich weit weg. Ein tolles
Paket aus Deutschland ist auch noch rechtzeitig gekommen! Außerdem bin ich sehr
froh, dass ich Hanna habe. Ohne sie wäre mein ganzer Aufenthalt hier nicht halb
so schön, wir motivieren uns gegenseitig, bringen uns auf die verrücktesten
Ideen und können immer zusammen lachen. An dieser Stelle einfach mal ein
Dankeschön an dich!
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Danke für das Lebkuchenhaus-Set, Noreenski! |
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| Unser kleiner Weihnachtstisch |
Der 25. Dezember ist ein Tag der
Familie, umso mehr freut es mich, dass Vangelis uns zu Weihnachten zu sich und
seiner Familie einlädt. Im Mittelpunkt steht natürlich das Essen! Traditionell
gibt es Christopsomo („Christus‘ Brot“), ein Weihnachtsbrot mit Walnuss und
Anis. Es ist rund und mit einem Kreuz dekoriert, in der Mitte steckt eine
Walnuss. Außerdem gibt es Stamnagathi, Hortopitakia, Xygalo und Oliven, Salat,
Porree-Eintopf mit Schweinefleisch, Kartoffeln mit Fleisch und Leber (das
Einzige, das ich nicht esse…) und zum Nachtisch Galaktoboureko. Was genau das
alles ist, ist auf meinem Food-Blog genauer beschrieben. Damit wir bloß nicht
verhungern, kriegen wir auch noch einiges mit nach Hause. Im Januar wird
erstmal Diät gemacht…
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