| Die wunderschöne Landschaft um die Siedlung Achladia. |
Das Vorgehen bei der Ernte hat
sich in den letzten Jahrhunderten kaum verändert, es ist nur etwas modernisiert
worden. Zunächst wird der Boden mit grünen Netzten ausgelegt, sehr sorgfältig,
dass ja keine Olive verloren geht. Die Enden überlappen um ein gutes Stück und
um die Stämme der Bäume werden extra Säcke gewickelt. Sind genug Netze
ausgelegt, beginnt man mit der Ernte. Dafür werden lange Stäbe mit zwei kleinen
Propellern verwendet, mit deren Hilfe man die Früchte von den Ästen rütteln
kann. Während sich drei oder vier Leute um die „Entrüttlung“ kümmern (ohne
Schutzbrille besteht Erblindungsgefahr im Oliven-Hagel), fischen andere mit
großen Rechen die schwereren Äste aus den Olivenpfützen. Dann müssen die Oliven
eingesackt werden. Hanna und ich sind mittlerweile richtige Profis: mit einer
Mischung aus zusammenschütten, Netz hochlupfen und mit vollem Körpereinsatz die
Oliven in den Sack schieben (“It’s like in a Casino!“) befreien wir die Netze
ruck zuck von ihrer Ladung, damit sie an der nächsten Ecke des Olivenhains
wieder angepuzzelt werden können. So arbeitet man sich nach und nach das Feld
entlang. Zu fünft schaffen wir zwischen 20 und 25 Bäume am Tag, bis es zu
dunkel wird. Allerdings hängt das natürlich stark von der Beschaffenheit des
Feldes ab (wie eben der Boden ist usw.) und auch vom Wetter. Sind die Bäume
einmal abgeerntet sieht es so aus als würden sie regelrecht aufatmen, denn ihre
Äste hängen nicht mehr schwer behängt herunter.
| Auf Kreta ist nix mit Dezemberwetter! |
| Mithilfe von langen Stäben mit zwei kleinen Propellern werden die Oliven vom Baum geschüttelt. |
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| Schutzbrille!!! |
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| In jedem Schuh und in allen Taschen finden sich noch Tage später Oliven - warum wohl? |
| Sobald die Oliven zu Haufen zusammengeschüttet sind, werden größere Äste aussortiert und die Oliven eingesackt. |
| Bei der harten Arbeit muss natürlich in der Pause gut gevespert werden! |
Am Ende jedes Arbeitstages werden die schweren Leinsäcke in eine Fabrik geschafft, wo das Öl gepresst wird. Die Oliven durchlaufen verschiedene Stationen, um aussortiert und gereinigt zu werden, bis schließlich das Cretan Extra Virgin Oil gepresst wird. Aus einem 60l Leinensack voller Oliven können etwa 15 Liter reines Olivenöl hergestellt werden. Natürlich hatte ich auch schon das Glück, frisch gepresstes Olivenöl zu probieren – aus Oliven, die ich höchstpersönlich geerntet habe! Das junge Öl schmeckt so frisch und fruchtig, dass ich jetzt wohl bis ans Ende meines Lebens verwöhnt bin, was Olivenöl angeht.
| Am Ende des Tages werden die Netze eingerollt... |
| ...und die Oliven zum Pressen in die Fabrik gefahren. |
Obwohl ich die letzten Wochen an Hunderten von Olivenbäumen vorbeigelaufen bin, war mein Blick zu oberflächlich, um die Schönheit der Natur bewusst zu erkennen. An einem einzigen Baum wachsen Oliven in allen Farben des Regenbogens: hellgrün bis gelb, dunkles grün, rot, blau, violett, schwarz und alles dazwischen. Die nach der Ölpressung zurückbleibenden Steine werden getrocknet und verfeuert, Äste und Blätter dienen als Viehfutter und auch kulturell kommt diesen Bäumen eine ganz besondere Rolle zu. Sogenannte „Monumentale Olivenbäume“ sind über ganz Kreta verstreut und oft viele Jahrhunderte alt, sie sind Zeugen der Geschichte der Insel und stehen unter besonderem Schutz.
Für die Leute ist die Olivenernte ein guter Zusatzverdienst, es gibt ihnen Selbstständigkeit. Viel wichtiger ist aber das Drumherum: die Verbindung mit der Natur, die die landwirtschaftliche Arbeit bietet genauso wie das soziale Beisammensitzen in der Pause. Es gibt alles Mögliche zu essen, ein kleiner Raki ist auch nicht auszuschließen. Und trotz der Anstrengung und der verspannten Schultern am nächsten Morgen ist es eine sehr meditative, befriedigende Arbeit. Bei der wunderschönen Landschaft Sitias gibt es keine bessere Möglichkeit, um den Kopf so richtig frei zu bekommen! Hanna und ich waren mehr als einmal bei der Ernte, denn gerade jetzt während dem Corona-Lockdown ist es eine tolle Gelegenheit, um raus zu kommen. Abgesehen davon macht die Arbeit sehr viel Spaß und die Verpflegung ist super! Übrigens ist ein Hauptziel der UNESCO Global Geoparks die Stärkung der nachhaltigen Entwicklung und des Alternativen Tourismus. Dazu gehört auch Agrartourismus, also gerade solche Dinge wie die Olivenernte. Obwohl es mich gerade reizt, so authentische, nicht-touristische Erfahrungen zu machen, finde ich das Konzept sehr gut und auf jeden Fall unterstützenswert!
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| Das klare Olivenöl ist aus der letzten Saison, die Oliven für das trübere Öl haben wir höchstpersönlich geerntet! |



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